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Kulturvolk Blog Nr. 403

Kulturvolk Blog | Sibylle Marx

von Sibylle Marx

4. Juli 2022

HEUTE: Zweimal Shakespeare unterm Sommerhimmel

1. „Viel Lärm um nichts“ – Shakespeare Company Berlin / 2. „Wie es euch gefällt“ – Globe Berlin

1. Shakespeare Company Berlin - Viel Lärm um nichts

 © René Löffler
© René Löffler

„Ein Wunder ist geschehen!“ Mit diesem Ausruf begann Katharina Kwaschik, Schauspielerin im Ensemble der Shakespeare Company ihre Rede, nachdem der Beifall zur Premiere von Viel Lärm um nichts verklungen war. „Ein Wunder ist geschehen, wir haben uns ein Theater gebaut!“ Und tatsächlich gibt es mit dem hölzernen Rundbau auf einer wenig genutzten Liegewiese des Freibades am Insulaner eine neue Spielstätte für die Shakespeare Company Berlin, die ihren langjährigen Standort an der Lokhalle im Schöneberger Südgelände im letzten Jahr aufgeben musste.

Die Freie Gruppe hat mit den Berliner Bäderbetrieben und dem Planetarium zwei starke Nachbarn, die auch Kooperationspartner sind und den Neubau begleitet und unterstützt haben. Mittel aus dem Sondertopf des Bundes Neustart Kultur und ein Crowdfunding, das 50.000 Euro einbrachte, ermöglichten einen dem shakespear’schen Globe angelehnten Bau, in dessen Mitte das Publikum unter freiem Himmel auf Stühlen sitzt. Die Zuschauertribünen sind teilweise überdacht, insgesamt finden 400 Zuschauer*innen Platz. In der Company machen nach wie vor alle, die dazu gehören, alles. Wer am Abend nicht spielt, scannt Eintrittskarten oder verteilt in der Pause Decken gegen die aufkommende Kühle, eine Schauspielerin kümmert sich neben ihren Proben um die Öffentlichkeitsarbeit und Katharina Kwaschik hat, quasi als Bauleiterin, die Arbeiten koordiniert – erst Anfang April konnte wirklich mit dem Bau begonnen werden. Die Begeisterung, mit der sie von den letzten zwei Monaten erzählte, übertrug sich auf das Publikum und auch auf die Rezensentin…

Natürlich ist längst nicht alles fertig. Aber das macht einen weiteren Reiz für uns als Publikum aus: Es wird Spaß machen, von Besuch zu Besuch die Fortschritte auf dem Gelände zu verfolgen.

Mit „Viel Lärm um nichts“ hat sich die Freie Gruppe für eine Komödie entschieden, in der, wie in den meisten Komödien von Shakespeare, große Gefühle von Intrigen erstickt zu werden drohen, sich am Ende aber doch alles zum Guten wendet. Der ernsthafte Hintergrund eines Krieges, aus dem Don Pedro (Philipp-Manuel Bodner) zurückkehrt, wird in der Inszenierung von Thomas Hollaender konzeptionell nicht weiterverfolgt. An diesem lauschigen Sommerabend geht es darum, einen Hauch von Italien herbeizuzaubern. Das Bühnenpodest wird nach hinten durch Rundbogeneingänge begrenzt und rechts und links von zwei Zitronenbäumchen flankiert.

Das sechsköpfige Ensemble agiert mit großer Spielfreude, alle sind in mehreren Rollen zu sehen. Der Fokus der Inszenierung liegt auf dem Weiblichen. Aus dem Don Juan wird hier eine dominante Donna Juana, die von Johanna-Julia Spitzer gespielt wird. Da sie gleichzeitig die Rolle der braven Hero übernimmt, die sich widerspruchslos in die aus Machtinteressen des Vaters forcierte Ehe mit Claudio fügt, verkörpert sie zwei Facetten weiblichen Rollenverhaltens und das mit unterschiedlichen schauspielerischen Mitteln. Auch die Besetzung von Elisabeth Milarch als Claudio unterstützt das Spiel mit den Geschlechterrollen.

Vera Kreyer als Beatrice und Stefan Plepp als Benedict liefern sich Wortgefechte in atemberaubendem Tempo und beherrschen die Balance zwischen augenzwinkernden Satzungetümen und schlichten ehrlichen Gefühlsäußerungen. Die Übersetzung von Martin Molitor, die alte Sprache mit heutiger verbindet, kommt der Inszenierung dabei zugute.

Weitere Termine: 5. bis 9. Juli, 19. bis 23. Juli. Dann wieder 6. bis 10. September. Jeweils 20.00 Uhr. Hier geht es zu den Karten.

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2. Globe Berlin - Wie es euch gefällt

 © Thorsten Wulff
© Thorsten Wulff

Gebaut wird auch in Charlottenburg, bei der anderen Freien Shakespeare-Truppe in Berlin, dem Globe Berlin. Christian Leonhard, früher Leiter der Shakespeare Company, verfolgt seit zwanzig Jahren die Vision eines Globe-Theaters, wie es Shakespeare in London im 17. Jahrhundert bespielte.

2016 wurde in Schwäbisch Hall, wo viele Jahre Aufführungen in einem Globe-Theater stattgefunden hatten, das dortige „Haus“ geschlossen. Seitdem arbeitet Christian Leonhard daran, die einzelnen Bauteile Stück für Stück nach Berlin zu transportieren und hier das Globe wieder auferstehen zu lassen. Eine Mammutaufgabe! Erst vor ein paar Monaten kam eine neue Ladung in Berlin an. Wenn man die Spielstätte in der Sömmeringstraße betritt, wähnt man sich auf einer Baustelle. Riesige Holzkonstruktionen liegen aufgestapelt. Die Teile müssen größtenteils aufgearbeitet werden, bevor sie in den Wiederaufbau integriert werden können.

Aber trotzdem wird dort seit Jahren mit großem Erfolg und viel Publikumszuspruch Sommertheater gemacht. Die Truppe spielt nicht nur Shakespeare, eröffnet wurde in diesem Jahr mit „Ameley, der Biber und der König auf dem Dach“ einem leider selten gespielten Stück von Tankred Dorst, das sich für einen Besuch mit der ganzen Familie eignet. Es gibt unterschiedliche musikalische Abende mit Weltmusik, Andrej Hermlin ist mit seinen Swinging Hermlins ein immer wiederkehrender Gast.

Mit „Wie es euch gefällt“ wurde die diesjährige Shakespeare-Saison eröffnet.

Ein Herzog entmachtet seinen Bruder und schickt ihn in die Verbannung in den Ardenner Wald. Auch seine Tochter Rosalind muss in diesen Wald fliehen. Einem anderen Bruder, Orlando, wird sein Geburtsrecht und damit Ansehen und Wohlstand entzogen. Der Plan, ihn zu töten, misslingt, auch er findet sich in diesen Wald wieder. Rosalind hat sich in Orlando verliebt, er auch in Rosalind, aber so einfach ist das nicht mit der Liebe in den Shakespeare-Komödien. Im Ardenner Wald entspinnt sich eine Liebesgeschichte voller Poesie, aber auch Täuschung und List, die nach vielen Irrungen und Wirrungen doch zu einem guten Ende findet. Auch in diesem Stück spielt Shakespeare mit wechselnden Geschlechterrollen und das Ensemble in der Inszenierung von Anselm Lipgens trägt dem mit großer Spiellust, viel Bewegung und Musik Rechnung.

Die Spielflächen bestehen aus Podesten in verschiedenen Höhen und sind rings um den Zuschauerbereich angeordnet, so dass auch das Publikum in ständiger Bewegung bleibt und sich auf seinen Stühlen immer dorthin wenden muss, wo gerade agiert wird (Bühne: Ida Riegel und Ben Zerhau). Trotz schöner szenischer und musikalischer Einfälle (Musik: Bernd Medek) kommt kein rechter Fluss in den Abend, die Inszenierung wirkt eher wie ein Nummernprogramm, dessen einzelne Teile aber mit Vergnügen verfolgt werden. Der Wortwitz des Textes geht bedauerlicherweise häufig unter, weil die Schauspieler*innen nicht immer zu verstehen sind. Der Lärm auf dem hinter dem Gelände gelegenen Sportplatz ist zu laut.

In jeweils mehreren Rollen spielen: Mick Morris Mehnert, Lisa Riesner, Sophia Bauer, Jannik Rodenwaldt, Johannes Franke, Uwe Neumann, Matthias Horn und Gina Christof.

Weitere Termine: 5. bis 7. August, sowie 21. August. Außerdem 4. und 10. September. Hier geht es zu den Karten.

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