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Kulturvolk Blog Nr. 399

Kulturvolk Blog | Ralf Stabel

von Ralf Stabel

7. Juni 2022

Der Sommer 2022!

1. „Der Geizige“ – Hans-Otto-Theater / 2. Ausgeh-Tipp – „Der schöne Sommer“ Kulturvolk-Veranstaltungen im Garten / 3. Kult-Film – „Heißer Sommer“

1. „Der Geizige“ im Sommertheater - Hans-Otto-Theater Potsdam

Mascha Schneider, Andreas Spaniol, Henning Strübbe, Paul Wilms, Jon-Kaare Koppe, Hannes Schumacher, Ulrike Beerbaum, Kristin Muthwill (v.l.n.r.) © Thomas M. Jauk
Mascha Schneider, Andreas Spaniol, Henning Strübbe, Paul Wilms, Jon-Kaare Koppe, Hannes Schumacher, Ulrike Beerbaum, Kristin Muthwill (v.l.n.r.) © Thomas M. Jauk

Auf der Sommerbühne am Tiefen See wird bis zum 7. Juli 2022 die Komödie „Der Geizige“ von Molière von 1668 gespielt. Ein Elektro-Discounter wirbt mit „Geiz ist geil“ und eine andere Kette nennt sich sogar „Mäc-Geiz“. Geiz scheint also eine zu allen Zeiten durchaus akzeptierte Eigenschaft (gewesen?) zu sein.

In Molières irrwitziger Komödie ist die Titelfigur mit Namen Harpagon (Jon-Kaare Koppe) zu Geld gekommen, mit dem er, außer es zu verstecken, nichts anzufangen weiß. Nun hat er zu seinem Glück oder Unglück – die Perspektiven wechseln bei ihm – zwei Kinder im heiratsfähigen Alter und heiratswilligen Zustand. Das könnte Geld kosten oder einbringen. Harpagon versucht es mit Zweitem: Tochter Élise (Mascha Schneider) soll den Greis Anselm heiraten und Sohn Cléante (Hannes Schumacher) eine nicht näher benannte Witwe. Das wollen die Kinder selbstredend nicht, weil sie anderweitig verliebt sind: Sie in Valère (Paul Wilms), derzeit angestellt als Diener, Er in Marianne (Ulrike Beerbaum). Dass sich daraus eine tolldreiste Handlung entwickeln lässt, liegt auf der Hand. Hinzu kommen pekuniäre Querelen im Hause Harpagon, denn für die Haushaltung will er natürlich auch nichts berappen. Wenn dann auch noch dieser geizige Vater genau die junge Frau heiraten möchte, die der Sohn liebt, sind Verwicklungen ohne Ende vorprogrammiert. The End ist dann allerdings, Dank Molière und dem Sommertheater, happy, denn alles löst sich auf – und zwar in Wohlgefallen! Die von den Kindern erwünschten Ehepartner stellen sich schlussendlich und plötzlich als hochwohlgeboren heraus. Bertolt Brecht muss das Stück wohl gekannt haben, als er seinen Schluss-Choral für die Dreigroschenoper schrieb: „Und so kommt zum guten Ende alles unter einen Hut. Ist das nötige Geld vorhanden, ist das Ende meistens gut.“

Komik ist die Sache, die bekanntlich so schwer zu machen ist. Hier kommen aber drei Dinge zusammen, die einen wirklich komischen Abend garantieren: Der Text, die Regie und die Schauspielleistung. Molière hat (hier in der deutschen Fassung von Frank-Patrick Steckel) ein herrlich-heiteres Stück verfasst mit endlosen missverständlichen Konversationen, von denen das Publikum natürlich weiß, gespickt mit einem Feuerwerk an Pointen, die wirklich zum herzhaften Lachen mitreißen.

Natürlich steht Jon-Kaare Koppe als Harpagon unangefochten im Zentrum dieses grandiosen Spektakels, aber erst die permanent wechselnden Wortgefechte und tätlichen Auseinandersetzungen mit seinen – von ihm so empfundenen – Widersachern, das heißt den Kindern, Angestellten und anderen, machen ihn zum „Helden“ dieser Inszenierung. Kristin Muthwill als Gelegenheitsmacherin und Kommissarin, Henning Strübbe ebenso in mehrfach wechselnden Rollen als Makler Simon, Koch und Kutscher, genauso sich wandelnd Andreas Spaniol als Clèantes Diener La Flèche und als Vater Anselm von Valère und Marianne geben dieser Inszenierung einen turbulenten Drive. Sie agieren textsicher hart an der Grenze zu Klamauk und Slapstick, überzeichnen ihre Figuren liebevoll zu Karikaturen. In der Regie von Milena Paulovics kann das gesamte Ensemble glänzen.

Theater-Genuss ist immer auch eine Frage der Perspektive. Hier ganz besonders. Was mir in der ersten Reihe zu laut, zu grell, zu überzogen erschien, fügt sich von der oberen Terrasse zu einem wunderbar stimmigen Gesamtbild mit Blick auf den Tiefen See.

„Die Theaterwelt feiert in diesem Jahr den 400. Geburtstag des großen französischen Dramatikers, dessen berühmteste Stücke am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. das Licht der Welt erblickten.“ Feiern Sie mit! Denken Sie aber an Sonnen-Creme oder bei anderem Wetter an angemessene Bekleidung.

Hans-Otto-Theater Potsdam, Sommerbühne am Tiefen See, bis zum 7. Juli 2022. Hier geht es zu den Karten.

2. Ausgeh-Tipp: „Der schöne Sommer“ - Kulturvolk-Veranstaltungen im Garten

 © Kulturvolk
© Kulturvolk

Unter dem verheißungsvollen Titel „Der schöne Sommer“ laden Sie die Kulturvolk-Organisator:innen zu Open Air Events und gemeinsamen besonderen Kulturgenüssen an lauen Sommerabenden in den Garten in der Ruhrstraße 6 immer freitags um 19.30 Uhr nach Wilmersdorf ein. Erleben Sie Theater, Konzerte, Lesungen und mehr!

Es beginnt am 10. Juni mit dem Stück „Die Dame mit dem Hündchen“ nach Anton Tschechow. Kristin Giertler und Christof Düro spielen diese besondere Sommer-Liebesgeschichte am Meer: „Dieser Abend ist eine Hommage an die Liebe und ein erneuter Versuch, ihr Mysterium zu ergründen.“

Insgesamt fünf Konzerte gibt es dann in dieser Veranstaltungsreihe zu erleben. Trio Pontes bringt am 17. Juni romantische Lied-Raritäten des Lorelei-Mythos‘

zur Wiederaufführung. Neben der Musik gibt es Moderation und szenische Momente. Hören, sehen und erfahren Sie also! Lieder aus der „warmen und lebendigen Atmosphäre der Vielvölker-Metropole Odessa“ präsentiert das Trio Scho am 1. Juli. Das Friedrichshainer Trio Boxi Barré lädt Sie am 8. Juli mit „handgemachten Liedern“ zum Tanzen ein. Also leichte Bekleidung und passendes Schuhwerk bitte nicht vergessen! Das vierte Trio in diesem Sommer um den Pianisten Ekkehard Wölk bietet am 12. August ein Jazz-Programm aus bewährten Standards, Arrangements klassischer Berliner Komponisten und Eigenkompositionen. Und musikalisch last but not least singt Cécile Rose am 26. August, begleitet von Valeriy Khorsyshman, Chansons aus Paris. Edith Piaf und Charles Aznavour lassen grüßen.

Dazwischen gibt es noch zwei weitere Termine: Am 15. Juli gibt Klaus Mann, gelesen von Monika Bienert, Einblicke in die Familie Mann. „Woher kommt diese Unruhe in meinem Blut?“, fragt Klaus Mann zu Beginn seiner Autobiografie „Der Wendepunkt“ aus dem Jahr 1942.

Ein Höhepunkt wird das Sommerfest am 25. Juni sein. Ab 15 Uhr gibt es Schauspiel, Tanz und Livemusik auf zwei Bühnen mit mehr als 40 Künstler:innen. Auch für Kindertheater und Kinderprogramm ist gesorgt und vieles andere mehr. Die Berliner und Brandenburger Bühnen, Opernhäuser und Orchester zeigen Ausschnitte aus ihrem Repertoire. Veranstalter:innen, Künstler:innen und Gastronomen freuen sich auf Ihren Besuch. Der Eintritt ist frei. Vergnügen Sie sich: So jung kommen wir nie wieder zusammen.

Hier geht es zum Gesamtprogramm und zu den Karten.

3. Kult-Film - „Heißer Sommer“

 © Defa
© Defa

Und sollte es doch einmal regnen, können Sie sich eine DVD des DEFA-Films „Heißer Sommer“ (Regie: Joachim Hasler) von 1968 ausleihen – auch in den öffentlichen Berliner Bibliotheken – oder käuflich erwerben. Sie erinnern sich: Elf Mädchen aus Leipzig und zehn Jungen aus Karl-Marx-Stadt fahren an die Ostsee. Es wird 98 Minuten lang zur Musik von Gerd und Thomas Natschinski ausgelassen gesungen und getanzt. Eine tolle Ost-Side-Story mit den Stars Chris Doerk und Frank Schöbel. Anschließend werden Ihnen neben dem Titelsong „Heißer Sommer“ bestimmt auch noch „Was erleben, was nicht jeden Tag passiert“, „Männer, die noch keine sind“ oder „Tanz am Strand“ als Wurm im Ohr nachklingen. Übrigens sind diese jungen Leute getrampt. Schon damals waren die Züge an die Ostsee zu den Stoßzeiten hoffnungslos überfüllt. Von Ost-Berlin kostete ein Ticket nach Rostock in den 1980er Jahren übrigens 20,80 DDR-Mark. Das hätten sie sich vermutlich leisten können. So wie heute das 9 Euro-Ticket.

DVD verfügbar zum Beispiel in der Amerika Gedenkbibliothek am Halleschen Ufer unter der Signatur: 112/000 024 615
DVD im Handel erhältlich.
Hier geht es zum Trailer.

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