Studiobühne
Uraufführung
In der Fabrik erfährt die Arbeiterin Medusa sexuelle Gewalt durch ihren Vorarbeiter Poseidon. Das Unheil eskaliert, als Athene, ihre Vorgesetzte, sie nicht schützt, sondern für das Erlebte noch bestraft. Medusa wird entstellt: Schlangenhaar, bleckende Zähne, herausgestreckte Zunge.
Entmenschlicht und zur Projektionsfläche der Angst gemacht, wird ihre Wut zu Kraft, die jeden zu Stein erstarren lässt, der ihr in die Augen blickt. Ihre Ermordung wird zum Triumph stilisiert und geht in die Kulturgeschichte ein. Die Schriftstellerin Christa Wolf griff mit „Kassandra“ und „Medea“ auf mythologische Frauenfiguren zurück, um durch ihre Augen auf ihre Gegenwart zu schauen. Das Buch über Medusa blieb
ungeschrieben. Regisseurin und Autorin Paula Thielecke denkt Christa Wolfs Ansatz im Sinne der Autorin weiter. Die Inszenierung verbindet die Geschichte der antiken Medusa mit Christa Wolfs Leben, ihrem
feministischen Denken und Schreiben sowie mit aktuellen Fragen zu
geschlechtsspezifischer Gewalt und Femiziden.
Frauen unterschiedlicher Generationen begegnen auf der Bühne der Autorin Christa Wolf. Die Geschichte wird lebendig, während sie geschrieben wird. Die Lebensgeschichten der Beteiligten beginnen sich mit Wolfs Texten zu durchdringen. Live-Musik vom Plattenspieler und ein eigens komponierter Soundtrack von Jon Darc erzeugen dabei eine dichte musikalische Atmosphäre zwischen dunklem Experimental-Pop und elektronischen Klängen. Wie prägen Erfahrungen und politische Werte die individuellen Lebenswege? Und wie veränderbar ist die eigene Haltung zur Welt?
Die Produktion wird filmisch begleitet von Regisseurin und Grimme-Preisträgerin Sabine Michel und Teil ihres künstlerischen Dokumentarfilms über die „Jahrhundertfrau“ (AT) Christa Wolf. Auf der Bühne begegnen sich Spielerinnen des Ensembles und Studentinnen der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch.
| RegiePaulaThielecke |