Oscar Wilde in einer Bearbeitung von Heiki Riipinen
Aus dem Englischen von Johannes Nölting unter Verwendung der Übersetzung von Hedwig Lachmann und Gustav Landauer
Wer bin ich, wenn niemand hinsieht? Und wer darf ich sein, wenn alle mich sehen? Dorian Gray ist jung, schön und begehrt. Sein Äußeres
öffnet ihm Türen, verschafft ihm Anerkennung, schützt ihn. Was dieses Bild stört – Schuld, Begehren, Alter – verschwindet. Es landet in
einem Gemälde, das niemand sehen darf. Dort wird sichtbar, was Dorian nicht zeigen will. Außen bleibt er makellos, innen zerfällt er.
Oscar Wildes Roman zeigt eine Gesellschaft, die nur duldet, was schön aussieht. Abweichung ist nur erlaubt, solange sie sich dekorativ
tarnt, uneindeutig bleibt. Wer dazugehören will, lernt, sich anzupassen, wer anderes begehrt, sich zu verbergen.
Dorians Geschichte ist kein fernes, viktorianisches Märchen. Heute verschwinden Widersprüche in Zahlen, Profilen und Marktwert. Wir
glätten Biografien, filtern Emotionen, denn: Sichtbar sein heißt bewertet werden, unsichtbar sein heißt verschwinden. Wie lebt man mit
dem Abstand zwischen der eigenen Sehnsucht und dem eigenen Bild?
Der norwegisch-finnische Regisseur Heiki Riipinen, ehemaliger Teilnehmer des Internationalen Regienachwuchsprogramms WORX am
Berliner Ensemble, bringt „Das Bildnis des Dorian Gray“ als modernes Mythenspiel auf die Bühne. Zwischen Begehren und Kontrolle,
zwischen Selbstentwurf und Selbstverlust stellen er und sein Team sich die Frage: Was kostet es, man selbst zu sein?
| Regie | Heiki Riipinen |
| Bühne | Ingrid Tønder |
| Kostüm | Louise-Fee Nitschke |
| Musik | Amund Ulvestad |
| Licht | Hans Fründt Robert Matysiak |
| Dramaturgie | Johannes Nölting |
| Mit | Max Gindorff Gabriel Schneider Amal Keller Paul Zichner |