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Kulturvolk Magazin
Serotonin_Thomas M Jauk © Thomas M Jauk
30. Okt 2026

Serotonin

Reithalle Potsdam
Schiffbauergasse
14467 Potsdam

nach dem Roman von Michel Houellebecq

Deutsch von Stephan Kleiner, Theaterfassung von Sebastian Hartmann

 

„Ich war eindeutig nur ein Weichei, ein trauriges und unbedeutendes Weichei, das obendrein noch alt wurde.“ Florent, ein mittelalter Mann in gehobener Position, hat das unabweisliche Gefühl, mit seiner ganzen Existenz in eine Falle geraten zu sein. Die Beziehung zu der Frau, mit der er noch die Wohnung teilt, ist in Kälte erstarrt. Von seiner beruflichen Tätigkeit ist er tief enttäuscht. Die westliche Zivilisation mit ihrem Individualismus-Fetisch und ihrer kapitalistischen Verwertungslogik erscheint ihm wie eine Maschine zur Zerstörung der Liebe. Florent spürt: Es ist Zeit. Zeit für einen radikalen Schnitt. So kündigt er Job und Wohnung, inszeniert sein Verschwinden und begibt sich in einem Geländewagen auf eine lange Winterreise. In einer rückhaltlosen Bestandsaufnahme durchmisst er Höhen und Tiefen seines bisherigen Daseins.

 

Michel Houellebecq gilt als der gegenwärtig wichtigste wie umstrittenste Schriftsteller Frankreichs. Sein Roman ist ein hohes Lied auf die Liebe und ein Abgesang auf die moderne Gesellschaft. Er zeigt einen Menschen in einer absoluten Extremsituation. Folglich verlässt auch Regisseur Sebastian Hartmann, der national wie international an vielen großen Bühnen gearbeitet hat und für seine entschiedenen Regie-Zugriffe u. a. vier Einladungen zum Berliner Theatertreffen erhielt, mit dieser Inszenierung die Komfortzone eines üblichen Theaterabends. In einer radikalen Versuchsanordnung setzt Guido Lambrecht als Performer sein Ich aufs Spiel und begibt sich auf eine schmerzhafte, unerbittliche Suche nach biografischer Wahrhaftigkeit. Dafür braucht es Zeit.

Und so wird diese außergewöhnliche Aufführung auch zeitlich den gängigen Rahmen einer Theatervorstellung schonungslos sprengen! Dabei hat das Publikum die Möglichkeit, zwischendurch zu selbstbestimmten Pausen ins Foyer zu wechseln, an der Bar einen Drink zu nehmen, um dann wieder in den ästhetischen Kosmos dieses Abends einzutauchen.

 

 

 

Besetzung
Regie | Bühne Sebastian Hartmann
Licht Lothar Baumgarte
Kostüme Adriana Peretzki
Dramaturgie Christopher Hanf
Mit Guido Lambrecht

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