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Zwei Zimmer, Küche: Staat!

Distel - Berliner Kabarett-Theater

 © Johannes Zacher
bis 31. Okt 2017
Distel - Berliner Kabarett-Theater
Friedrichstr. 101
10117 Berlin

Thomas Lienenlüke

 

Margie hat die Schnauze voll. Erst war sie Ossi, dann alleinerziehend, jetzt wohnt ihr Sohn mit 43 immer noch bei ihr. Immer hat irgendwer ihr Leben bestimmt. Nur einmal konnte sie sich befreien – mit ihrer Scheidung. Dummerweise hat sie da aber alles falsch gemacht. Aber seit dem Brexit weiß sie, das Heil liegt in der Autonomie.

 

Also beschließt sie, ihre Wohnung Dorotheenstraße 124 tritt aus der EU aus. Der Euro findet dort eh so gut wie überhaupt nicht statt, kein Blauhelm trägt den Müll runter und die Polizei kommt immer nur zu ihrem Untermieter.

 

Margie ist entschlossen, ihre Idee durchzuziehen. Aber erst einmal kein Wort zu irgendwem, erst muss alles wasserdicht sein ... Blöderweise postet ihr Sohn nach einer durchsoffenen Nacht auf Facebook Grüße aus der freien Republik und der BND wird hellhörig ...

 

... und eine kleine Wohnung in Berlin wird auf einmal der Mittelpunkt von weltstrategischen Überlegungen und Ängsten ...

 

Besetzung
Regie Dominik Paetzholdt
Bühne | Kostüme Hanna Hamburger
Auf der Bühne Dagmar Jaeger
Michael Nitzel
Rüdiger Rudolph
An den Instrumenten Matthias Felix Lauschus (dr
git
voc)
Fred Symann (p
key
voc)

Kulturvolk Kritik

Von unserem Autor
Reinhard Wengierek

Zwergstaat macht Großkrach

 

Was für eine Steilvorlage für massenhaft Parodien; was für eine fantastische Kostümshow im fliegenden Wechsel (Hannah Hamburger); was für eine groteske Geschichte mit scharfen Stichen ins Hochpolitische, aber auch mit Momenten, die innehalten im Lärm und im Trubel und die – ja doch – still ergreifen. Regie: Dominik Paetzholdt.

 

Last but not least: Was für eine brillante Besetzung! Alle drei Schauspieler sind super Entertainer, klasse Komiker (und mithin zünftige Rampensäue), haben Rhythmus in den Knochen sowie Singsang in der Kehle. Schließlich sorgen Matthias Felix Lauschus und Fred Symann an ihren Instrumenten für ordentlich Musike. An dem völlig verrückten Abend in der als „Freie Republik Dorotheanien“ firmierenden Kleinwohnung geht die Post ab, gellen Wahn-, Tief- und Blödsinn, kocht die Show, lacht das Herz, bekommt der Grips sein Fressen. Was will man mehr.

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