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Wozzeck

Staatstheater Cottbus

 © Marlies Kross
5. Nov 2017
Staatstheater Cottbus
Lausitzer Str. 33
03046 Cottbus

Alban Berg nach Georg Büchner

 

Wozzecks Welt ist fragil; mühsam schlägt er sich durchs Leben. Er verdingt sich als Barbier, als Schnitter, als Versuchsobjekt medizinischer Experimente. Halt findet er bei Marie, seiner Geliebten, ihrem gemeinsamen Kind und dem guten Freund Andres. Als seine Vorgesetzten jedoch über Maries (Un)treue zu spotten beginnen, „stürzt“ Wozzeck ab, zumal eine Bohnendiät, die der Doktor den Soldaten im Rahmen medizinischer Versuche verordnet hat, ihm buchstäblich den Verstand raubt. Er hört Stimmen, sieht Schatten und fühlt sich verfolgt, Er glaubt, den eigenen Wahrnehmungen nicht länger trauen zu können. Aus dem sonderbaren Mann wird ein unberechenbarer …

 

Alban Bergs gewaltige Komposition spiegelt meisterhaft das Zerspringen einer Welt, die – allem Streben nach Erkenntnis, Klarheit und Liebe zum Trotz – aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Inszenierung von Ring Award Preisträgerin Christiane Lutz, die erstmals in Cottbus Regie führt, geht dabei über das bloße Sozialdrama hinaus und bindet die individuellen Schicksale in die faszinierende, manchmal morbide Welt der Medizingeschichte ein. Medizinische und technische Innovationen zu Büchners und später Bergs Lebzeiten sowie das Spiel mit Sichtbarem und Unsichtbarem beeinflussen die Ausstattung von Natascha Maraval. Die Figur des größenwahnsinnigen Doktors ist ein überzeichneter Verweis auf den Chemiker Justus von Liebig, mit dem Büchner bekannt war und von dessen Experimenten er sich inspirieren ließ. Bei Christiane Lutz wird Wozzeck selbst zum Experimentator – ein Alter Ego des vielseitigen begabten Georg Büchner, der nicht nur Schriftsteller, sondern promovierter Neurologe war und sich intensiv mit dem tierischen Nervensystem beschäftigte.

 

In Zusammenarbeit mit der Max Planck-Gesellschaft, die Videomaterial zur Verfügung stellt, beleuchtet die Inszenierung solcherart den Einfluss medizinisch-technischer Innovationen auf das Individuum und macht aus Alban Bergs Oper eine aufwühlende Suche nach Wissen, Selbstbehauptung und Zugehörigkeit.

 

 

 

 

Besetzung
Inszenierung Christiane Lutz
2017
Musikalische Leitung Evan Alexis Christ
Bühne und Kostüme Natascha Maraval
Videoteam Holytropic
Shiran Eliaserov & Johan Planefeldt
Dramaturgie Dr. Carola Böhnisch
Mit Andreas Jäpel
Gesine Forberger
Jens Klaus Wilde
Dirk Kleinke
Ulrich Schneider
Hardy Brachmann | Matthias Bleidorn
Carola Fischer u.a.

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