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Professor Bernhardi

Schaubühne Saal B

 © Arno Declair
bis 11. Feb 2018
Schaubühne Saal B
Kurfürstendamm 153
10623 Berlin

Arthur Schnitzler

 

Internist Bernhardi, Direktor einer renommierten Privatklinik, verweigert einem Pfarrer den Zugang zum Zimmer einer Patientin, der dieser die Sterbesakramente spenden möchte. Im Endstadium einer tödlichen Blutvergiftung, Folge einer unsachgemäßen Abtreibung, deliriert die junge Frau, sie sei völlig geheilt. Bernhardi hält es für seine ärztlich-humanistische Pflicht, ihr ein „glückliches Sterben“ zu ermöglichen und sie nicht aus dieser Illusion zu reißen. Der Pfarrer wiederum besteht auf seinem religiösen Auftrag als Seelsorger. Beide scheitern: Während sie diskutieren, verstirbt die Kranke – zuvor noch alarmiert durch das Pflegepersonal, das gegen den Willen des Arztes den Besuch des Pfarrers ankündigte. Für den jüdischstämmigen Bernhardi weitet sich der unglückliche Zwischenfall rasch zu einem politischen Skandal aus, der seine Existenz und die der Klinik zu ruinieren droht.

 

„Professor Bernhardi“ ist einer der wenigen dramatischen Texte, die minutiös einen beruflichen Kontext jenseits der emotionalen und familiären Hintergründe seiner Figuren entfalten. Die Arbeitswelt des Krankenhauses wird zugleich zum modellhaften Ausschnitt einer von Karrierismus, Konkurrenz und Ressentiment dominierten Gesellschaft, deren unterschwellige Triebkraft der Antisemitismus ist. In seiner Inszenierung von Schnitzlers Komödie – als die der Autor sein Stück doppelbödig bezeichnete – geht Thomas Ostermeier dabei besonders der Frage nach, wie ein isolierter Vorfall von einer Gruppe systematisch für die eigenen Machtbestrebungen und Partikularinteressen instrumentalisiert werden kann; wie scheinbar unbestreitbare Fakten diskursiv so weit verbogen und relativiert werden, bis das »objektiv Richtige« zusehends seine bestimmbaren Konturen verliert. Was bleibt von der Wahrheit übrig, wenn sie zwischen divergierenden Deutungen immer weiter zerrieben wird?

Besetzung
Fassung Thomas Ostermeier und Florian Borchmeyer
Regie Thomas Ostermeier
Bühne Jan Pappelbaum
Kostüme Nina Wetzel
Musik Malte Beckenbach
Videodesign Jake Witlen
Bildregie Matthias Schellenberg
Kamera Moritz von Dungern
Joseph Campbell
Florian Baumgarten
Dramaturgie Florian Borchmeyer
Licht Erich Schneider
Wandzeichnungen Katharina Ziemke
Mit Jörg Hartmann
Sebastian Schwarz
Thomas Bading
Robert Beyer
Konrad Singer
Johannes Flaschberger
Lukas Turtur
David Ruland
Eva Meckbach
Damir Avdic
Veronika Bachfischer
Moritz Gottwald
Hans-Jochen Wagner
Christoph Gawenda
Laurenz Laufenberg
Trailer
© Schaubühne Berlin

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