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Phädra

Deutsches Theater

 © Arno Declair
bis 27. Jan 2018
Deutsches Theater
Schumannstraße 13 a
10117 Berlin

Jean Racine

 

Übersetzung von Friedrich Schiller

 

„Ich suche mich selbst, und finde mich nicht mehr.“

 

In Theseus Palast – der König ist seit längerem verschollen – toben verbotene Leidenschaften: Seine Frau Phädra liebt verzweifelt ihren Stiefsohn Hippolyt. Dieser liebt wiederum die feindliche Gefangene Aricia. Als Theseus Tod gemeldet wird, brechen die verborgenen Geheimnisse ans Tageslicht, gestehen die Liebenden ihre Leidenschaft, werden Schuld und Scham zu irrationaler Hoffnung auf die Erfüllung verzweifelter Sehnsüchte. Doch der König lebt und kehrt schon bald zurück…

 

Phädra ist bei Racine ein Mensch ohne die Gnade Gottes. Ihr Begehren und das Gefühl von Schuld, das dieses Begehren heraufbeschwört, quälen sie bis aufs Blut. Eros und Vernunft liefern sich einen vergeblichen Kampf – am Ende siegt der Tod. Racine schrieb „Phädra“ 1677 nach einer langen Zeit des Schweigens als Meisterwerk der klassischen Sprache, als kategorischen Text über den Menschen als nach Wahrheit Suchenden, als Geschöpf voller Irrtum, als in seinen Leidenschaften Verlorenen.

Besetzung
Regie Stephan Kimmig
Bühne Katja Haß
Kostüme Johanna Pfau
Musik Pollyester
Dramaturgie Sonja Anders
Mit Corinna Harfouch
Alexander Khuon
Jeremy Mockridge
Kathleen Morgeneyer
Linn Reusse
Mascha Schneider
Bernd Stempel

Kulturvolk Kritik

Von unserem Autor
Reinhard Wengierek

Verbotene Liebe, Tragik, Pathos und feine Komik

 

Was für ein Extrem-Konstrukt aus Leidenschaft, Hingabe, Schuld, Lüge, Moral. Besonders interessant dabei die zwielichtige Rolle der Phädra-Vertrauten Oenone (Kathleen Morgeneyer), die wohl auch verliebt ist in ihre Herrin und sie nicht frei von Eifersucht, aber auch um der „Ordnung“ willen schamlos zur Lüge verführt. Sie soll ihrem heimgekehrten Gatten frech erklären, Hippolyt sei es, der ihr derart unerlaubt nachstellt.

 

So zugespitzt, so fremd und fern die Story im Einzelnen auf den ersten Blick auch scheint, so ist sie doch allgemein menschlich. Zugleich jedoch ist das exzessive Menscheln in eine artifizielle Form gegossen, vor allem eben durch Sprache – der „edle Ton“, der schon Schiller und noch dazu Lessing kritisch dreinschauen ließ und irritierte, aber auch faszinierte. Ein wahrlich tolles Kunst-Stück

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