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Iphigenie. Traurig und geil ...

Volksbühne

Iphigenie © Katrin Ribbe
bis 31. Okt 2020
Volksbühne
Rosa-Luxemburg-Platz
10178 Berlin
nach Euripides und Stefanie Sargnagel

 

Traurig und geil im Taurerland

 

Deutsch mit englischen Übertiteln

 

„Zu sterben bin ich fest entschlossen; ebendies aber / will ich / ruhmvoll tun und alles Unedle von mir weisen.“ (Euripides) Iphigenie, die Reine, die Jungfrau. Sie schreitet zum Opferaltar. Ihr Blut soll fließen. – Die Konsequenz einer ausweglosen Situation; sitzt doch das gesamte griechische Heer in der Bucht von Aulis fest. Eine Windstille hemmt die Ausfahrt der Flotte. Grund sei der Zorn der Göttin Artemis, die nun per Seherspruch die Opferung der Erstgeborenen des Heerführers Agamemnon fordert: Iphigenie. Die Reine. Die Jungfrau. Das perfekte Opfer. Sie stimmt ihrem Todesurteil freiwillig zu. Sie beugt sich ihrem Schicksal. Das reine Blut des Mädchens ist das Preisschild am Krieg gegen Troja. Dafür will sie sterben, sie wird sterben, für Griechenland. Für das Vaterland. Im Gegenzug unsterbliches Lob – der schöne Ruhm für die Zahme. So kennen wir sie noch heute: Iphigenie. Die Inkarnation von Einsicht, Keuschheit, Lust- und Triebsublimierung. Das Urbild des weiblichen Opfers. Soviel Demut wird sogar von den griechischen Gött*innen entlohnt: Das Messer liegt an Iphigenies Kehle, da rettet die Göttin Artemis sie in letzter Sekunde – Krach, Bum – per Entrückung ins Exil, auf die Insel Tauris und macht sie zur Tempelpriesterin. Puh. Und jetzt? Die Familie weit weg, der Job recht öde, auf der Insel nichts los. Perspektivlosigkeit, Einsamkeit. Wow. Moment mal. Hier ist eben etwas Magisches passiert. Liegt da eine Chance, in der Metaphysik der Entrückung? Wieviel Macht und Relevanz hat die Stimme der entrückten Iphigenie? Wieviel Widerstand steckt im gelangweilten, versoffenen, unrasierten, verfressenen, dauergeilen Frauenkörper? Fakt ist: Nach Aischylos, Euripides, Racine, Schiller und Goethe ist es Zeit für eine Kette rauchende, ungewaschene Weltikone, deren Schritt nach Brie riecht. „Die männliche Perspektive ist ausgelutscht wie 1 alter Penis.“ (Stefanie Sargnagel)

 

Ein neomythologisches Diptychon in einer Fassung von Lucia Bihler, Teresa Schergaut und Hannah Schünemann

 

Mit Texten aus „Iphigenie in Aulis“ von Euripides in der Fassung von Soeren Voima und Binge Living, Fitness, Statusmeldungen und „In der Zukunft sind wir alle tot“ von Stefanie Sargnagel.

 

 

 

Besetzung
Idee und Konzept Lucia Bihler und Teresa Schergaut
Regie Lucia Bihler
Künstlerische Beratung Sonja Laaser
Musik Jacob Suske
Choreographie und künstlerische Beratung Mats Süthoff
Bühne Jana Wassong
Kostüme Leonie Falke
Licht Kevin Sock
Dramaturgie Hannah Schünemann
Mit: Paulina Alpen, Jella Haase, Amal Keller, Vanessa Loibl, Emma Rönnebeck, Teresa Schergaut, Susanne Wolff; Musikerinnen: Silke Eberhard (Karola Elßner), Anke Lucks (Tanja Becker), Lizzy Scharnofske

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