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Hedda Gabler

Schaubühne Saal B

Foto  © Schauspiel
bis 2. Jul 2017
Schaubühne Saal B
Kurfürstendamm 153
10623 Berlin

Henrik Ibsen

 

Die Generalstochter Hedda Gabler hat geheiratet. Ihrem Ehemann, dem aufstrebenden Historiker Jörgen Tesman, winkt eine Professur; er hat sich daraufhin Geld geliehen und eine Villa gekauft, um seiner anspruchsvollen Frau etwas bieten zu können. Seinen Nebenbuhler, den charismatischen und begabteren Lövborg, hat Hedda abblitzen lassen. Lövborg, der gerne in berüchtigten Clubs seinen glänzenden Intellekt mit Drogen betäubte, war finanziell und gesellschaftlich keine aussichtsreiche Perspektive für sie gewesen. Jetzt kehrt Hedda ernüchtert aus den Flitterwochen zurück und muss erfahren, dass Lövborg mittlerweile sein Lotterleben an den Nagel gehängt hat. Er hat ihre Abwesenheit genutzt, um ein Aufsehen erregendes kulturgeschichtliches Buch zu schreiben, dessen überwältigendes Echo Tesmans Berufung zum Professor plötzlich mehr als fraglich erscheinen lässt. Hedda zerrinnt ihr Lebensplan zwischen den Fingern. Gegen ihre Neigung hatte sie sich für ein Leben nach bürgerlichen Prinzipien entschieden. Als diese Prinzipien nun nicht halten, was sie versprachen, nämlich ökonomische Sorglosigkeit, beginnt sie, ihre Macht auszuspielen: Sie verhöhnt hemmungslos ihren Ehemann, hintergeht ihn mit dem Hausfreund Brack, zerstört aus Eifersucht die Verbindung zwischen Lövborg und ihrer guten Bekannten Elvsted;treibt Lövborgs zurück in seine Alkohol-Sucht und beschwört eine menschliche Katastrophe herauf...

Mit erbarmungslos wütender Hellsicht attackiert sie die erdrückende Gutartigkeit, hinter der ihre Mitmenschen Mittelmaß und Feigheit vor dem Leben verbergen. Manipulation und Lüge sind die Mittel, mit denen sie virtuos innerhalb nur eines Tages und einer Nacht diese von Aufstiegsdenken und Abstiegsangst dominierte Welt zum Einsturz bringt. Zuletzt wird sie selbst als Teil des Systems zur Zielscheibe ihrer Zerstörungswut: Sie kann ihr selbstgebautes Gefängnis nicht sprengen, ohne sich selbst zu zerstören.

 

In seinem 1891 am Hoftheater in München uraufgeführten Stück zeigt Ibsen einen Angriff auf das Bürgertum von innen. Als zusammengehörige Klasse mit gemeinsamen Werten ist das Bürgertum heute schwer auszumachen, aber die bürgerlichen Sehnsüchte und Ängste, die seit dem 19. Jahrhundert Biographien kontrolliert, reguliert und deformiert haben, sind heute in alle finanziellen Schichten der Gesellschaft diffundiert. Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist unser kollektives Leitmotiv geworden.

Wir sind wieder reif für die Herausforderung und Zumutung einer Hedda Gabler.

 

Besetzung
Regie Thomas Ostermeier
Mit Kay Bartholomäus Schulze
Lore Stefanek
Annedore Bauer
Katharina Schüttler
Lars Eidinger
Jörg Hartmann.

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