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Hamlet

Schaubühne Saal A

 © Arno Declair
bis 13. Dez 2017
Schaubühne Saal A
Kurfürstendamm 153
10623 Berlin

William Shakespeare

 

Hamlet wird wahnsinnig. Sein Vater ist an einer plötzlichen, seltsamen Krankheit gestorben, die Mutter hat nach nur einem Monat wieder geheiratet, und zwar den Bruder ihres verstorbenen Mannes. Nachts hat Hamlet Visionen von seinem Vater, der behauptet, sein Bruder habe ihn vergiftet, er soll Rache dafür nehmen und den Stiefvater töten. Hamlet spielt den Wahnsinnigen, um seine Mordpläne zu verbergen, und verliert dabei den Boden unter den Füßen. Die ganze Welt wird ihm zu einem fauligen Sumpf, Trieb und Sexualität erscheinen ihm als bedrohliche, bodenlose Abgründe, die Freunde, die ihn umgeben, entpuppen sich als Spitzel, von seinem Stiefvater eingesetzt, um ihn zu überwachen, selbst Ophelia, seine Geliebte, ist Teil des Komplotts. Der Rächer wird selbst zum Gejagten, hinter jeder Tapete und jedem Vorhang lauschen die Denunzianten, der Verfolgungswahnsinnige wird tatsächlich verfolgt, und aus gespieltem wird echter Irrsinn, in dem Hamlet schließlich den Falschen tötet: Polonius, Ophelias Vater. Mutter und Stiefvater vertuschen den Mord und ziehen Hamlet aus dem Verkehr, die Rachepläne rücken in weite Ferne, Hamlet scheint die Kontrolle über sich, sein Leben und sein Ziel verloren zu haben, Ophelia zerbricht daran und bringt sich um, und erst die Initiative seines Stiefvaters, ihn endgültig zum Schweigen zu bringen, spielt Hamlet die Gelegenheit in die Hände, in einem letzten Amoklauf seine ganze Welt zum Untergang zu zwingen.

 

Shakespeare beschreibt den dänischen Königshof als korruptes politisches System, das für Hamlet zu einem paranoiden Irrgarten wird. Mord, Denunziation, Manipulation und Sexualität sind die Mittel, die im Kampf um den Machterhalt eingesetzt werden. Unfähig, die zynischen Spielregeln des Hofes zu übernehmen und ihn zu bekämpfen, stagniert Hamlet und wendet die Aggressionen gegen sich selbst. Seine Begabung, das Für und Wider zu erkennen, wird für ihn zum unüberwindlichen Hindernis bei der Durchsetzung seiner Ziele. Als einziger in einem skrupellosen System von Skrupeln geplagt zu sein, bedeutet letztlich sein Verhängnis.

 

Im Paradox des handlungsunfähigen Handlungsträgers bietet Shakespeares „Hamlet“ eine bis heute gültige Analyse des intellektuellen Dilemmas zwischen komplexem Denken und politischer Betätigung. Über zwanzig Figuren bietet Shakespeare auf, um aus dem Netzwerk der unterschiedlichen Interessen und Intrigen ein politisches Biotop entstehen zu lassen, an dem sein Protagonist scheitert. In Ostermeiers Inszenierung wird dieses umfangreiche Personal von nur sechs Schauspielern gespielt, die konstant die Rollen wechseln. Der fortschreitende Realitätsverlust Hamlets, seine Desorientierung, die Manipulation von Wirklichkeit und Identität finden so ihre Entsprechung in einer Spielweise, die die Strategie der Verstellung zum Grundprinzip erhebt.

 

Lars Eidinger spielt Hamlet, Jan Pappelbaum entwirft die Bühne, Nils Ostendorf komponiert die Musik.

Besetzung
Regie Thomas Ostermeier
Bühne Jan Pappelbaum
Kostüme Nina Wetzel
Musik Nils Ostendorf
Dramaturgie Marius von Mayenburg
Video Sebastien Dupouey
Licht Erich Schneider
Mit Robert Beyer
Urs Jucker
Lars Eidinger
Sebastian Schwarz
Judith Rosmair
Stefan Stern

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