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Gespenster

Deutsches Theater

Foto  © Arno Declair
bis 12. Jul 2017
Deutsches Theater
Schumannstraße 13 a
10117 Berlin

nach August Strindberg/Henrik Ibsen/Heinrich Heine

 

„Nicht nur, was wir von unseren Eltern geerbt haben,

geistert in uns herum. Nein, auch alte, längst begrabene

Überzeugungen, Ansichten, Aberglaube und all das. Es

lebt nicht mehr in uns; aber es steckt in uns, und wir werden

es nicht los.“

Henrik Ibsen

 

 

Zunächst: Eine Mutter, die ihren Sohn von allen väterlichen Prägungen befreien möchte, doch ausgerechnet er, der junge Künstler, wird zu dessen unfreiwilligem Wiedergänger. Dann: Ein Mann, dessen Existenz zerfällt angesichts des bohrenden Zweifels, nicht der Vater seiner Tochter zu sein. Und: Ein Reisender, den in der alten

Heimat die Untoten der Geschichte heimsuchen. Sebastian Hartmann verflicht Ibsens „Gespenster“, Strindbergs „Der Vater“ und Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“ zu einer irrlichternden Betrachtung über die Kraft des Vergangenen und eine

Zukunft, die sich verschließt.

Besetzung
Regie | Bühne Sebastian Hartmann
Kostüme Adriana Braga-Peretzki
Musik Ben Hartmann
Philipp Thimm
Video | Licht Rainer Casper
Videoanimation Tilo Baumgärtel
Dramaturgie Claus Caesar
Mit Edgar Eckert
Felix Goeser
Gabriele Heinz
Markwart Müller-Elmau
Linda Pöppel
Katrin Wichmann
Almut Zilcher
Live-Musik Ben Hartmann
Philipp Thimm

Kulturvolk Kritik

Von unserem Autor
Reinhard Wengierek

Psycho-Trip und Albtraum-Show

 

Regisseur Sebastian Hartmann nimmt die Last, die wir mit Geerbtem, Überkommenem haben, das wir zwar verdrängen, das aber weiter grummelt, gärt und in unseren Seelen wütet, Hartmann nimmt diesen Vergangenheits-Ballast und wirbelt ihn suggestiv durcheinander – es ist so, als entfessele er ein wahnsinniges Herumtollen mit Bällen. Und als wären diese Spielbälle beklebt mit einschlägigen Text-Stellen der beiden nordischen Klassiker also Szenen aus Ehekrach, Geschlechterkrampf, Generationskampf. Ein spukhaftes Nocturno, ein Psycho-Trip, eine Albtraum-Show. Schmerzlich und lachhaft zugleich.

 

Große Performance-Kunst des Ensembles in schwarzromantisch schauerlicher Nacht-, Nebel- und Videostimmung nebst an Herz und Nerven zerrendem, sägendem oder gar geheimnisvoll zirpendem, innig süß summendem Soundtrack (großartig: Ben Hartmann und Philipp Thimm an Cello und E-Gitarre).

 

Die zwei Geisterstunden gleichen einer schauerlich-bittersüßen Seance. Einer melancholischen Meditation über Seelenstörungen, Prägungen, Traumata. Zugegeben, zuweilen platzt die Spannung, fällt der Sog in sich zusammen. Doch dann wieder schwillt er an, baut sich ein Gewitter auf, kommen packende Nummern für tolle Spieler wie Felix Goeser und Katrin Wichmann oder Edgar Eckert und Almut Zilcher oder Gabriele Heinz und Markwart Müller-Elmau oder das unglaublich akrobatische Ballett-Solo von Linda Pöppel.

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