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Don Carlo

Deutsche Oper Berlin

Foto  © Bettina Stöß
bis 6. Jul 2017
Deutsche Oper Berlin
Bismarckstr. 35
10627 Berlin

Giuseppe Verdi

 

Friedrich Schiller beschreibt in seinem Drama „Don Karlos, Infant von Spanien“ den Widerstreit zwischen dem menschlichen Streben nach Autonomie und der Festgefahrenheit und geistig-moralischen

Unbeugsamkeit des staatlich-kirchlichen Systems. Dieser Aspekt wird es auch gewesen sein, der den

homo politicus Giuseppe Verdi an dem Stoff gereizt hat. Und so spannt sich in diesem Werk zwischen der „Stille eines Grabes“ und dem idealistischen Gedankenflug der Jugend einer der düstersten Bilderbögen der gesamten Opernliteratur. Anfangs noch den formalen Bedingungen der uraufführenden Pariser Oper - gar unter Einbeziehung des Balletts - unterworfen, verdichtete sich unter zahlreichen Umarbeitungen und Kürzungen „Don Carlo“ zunehmend zum Porträt einer Machtelite, die an ihrer aus der vermeintlichen Machtfülle resultierenden Ohnmacht zugrunde gehen muss.

In seiner nach Paris und Tokyo dritten, konzeptionell neu ausgerichteten Inszenierung des Werkes geht der Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli auf die Suche nach den Dimensionen dieser Ohnmacht:

„Wo das System spricht, muss Alles schweigen!“ Das Symbol des Kreuzes spielt dabei eine große Rolle - das, das jeder der in unterschiedlicher Motivation getriebenen Akteure zu tragen hat, aber auch jenes, das - pervertiert - zum Unterdrückungssymbol einer zynisch die Macht erhaltenden Elite wird.

Die Suche nach Erlösung geht seltsame Wege, der vergebliche Kampf gegen ein System auch des

selbstkonstruierten Schicksals verleiht dem Drama an die griechische Tragödie gemahnende Züge. Und so steht für Marelli im Zentrum „das Kreuz, synchron als positives wie auch als negatives Symbol der

Handlung dieses Opernwerks, gleichzeitig als Bild der Hoffnung auf eine bessere Welt im Jenseits, von der die Menschen oft sehnsüchtig singen, und auch als Zeichen des brutalen, menschenverachtenden Terrors der Kirche, der das Leben im Diesseits so unerträglich qualvoll und angsterfüllt gestaltet“.

In der architektonischen Anlage ist der Escorial ein „passender“ Ort für die Inhumanität des Geschehens.

Die fast klösterliche Düsternis, die bleierne Schwere des lichtundurchlässigen Raums, drückt die hier

Lebenden und zwingt sie in eine Stille, die sowohl bei Schiller als auch bei Verdi allenfalls in den „Frieden des Grabes“ mündet. Für das Menschliche ist hier kein Ort.

Marco Arturo Marelli beschreibt seinen bühnenbildnerischen Zugang so: „Ich versuche nicht nur der ganz spezifischen, unverwechselbaren klanglichen Grundfarbe dieser Oper, dieser musikalisch requiem-artigen Klanglandschaft des Todes, eine optische Entsprechung zu geben, sondern auch der unmenschlichen Umklammerung der Figuren und der sie erdrückenden gesellschaftlichen und religiösen Situationen einen entsprechenden Raum zu geben.“

Besetzung
Musikalische Leitung Donald Runnicles
Inszenierung, Bühne, Licht Marco Arturo Marelli
Kostüme Dagmar Niefind
Dramaturgie Andreas K. W. Meyer
Chöre Raymond Hughes
Chor der Deutschen Oper Berlin
Orchester der Deutschen Oper Berlin

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