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Die zwölf Geschworenen

Berliner Kriminaltheater

Foto  © Herbert Schulze
bis 18. Sep 2017
Berliner Kriminaltheater
Palisadenstr. 48
10243 Berlin

Reginald Rose

 

Es ist der heißeste Tag des Jahres, ein Gewitter liegt in der Luft. Es ist jener Tag, an dem ein an sich eindeutiger Mordprozess mit schier erdrückender Beweislast seinen Abschluss finden soll. Ein 19jähriger aus einem Slumviertel hat im Streit seinen Vater mit einem extrem auffälligen Springmesser erstochen. Die Anklage präsentiert zwei glaubhafte Zeugen. Beide haben den Jugendlichen bei der Ausführung der Tat beobachtet und ihn kurz darauf wegrennen sehen.

Die Zuschauer lernen zwölf New Yorker Männer und Frauen völlig unterschiedlichen Charakters und Temperaments kennen, deren einzige Gemeinsamkeit es ist, bestimmt worden zu sein, in diesem Mordprozess einen klaren Schiedsspruch zu fällen. In einem engen, von der Außenwelt abgeschlossenen Raum beraten sie darüber. Da der Fall eindeutig ist, wird mit einem raschen Ende der Sitzung gerechnet. Elf der Geschworen sind sich sofort einig: Der Angeklagte ist schuldig. Einer jedoch stellt sich gegen die Mehrheit: Er hat einen „begründeten Zweifel“ und plädiert deshalb auf nicht schuldig. Die Entscheidung über Leben und Tod eines Menschen ist ihm mindestens eine faire Diskussion wert.

Das Unverständnis der Mitgeschworenen ist groß. Sie versuchen, den Zweifler mit mehr oder weniger stichhaltigen Argumenten von ihrem Schuldspruch zu überzeugen. Detailgenau werden noch einmal die Zeugenaussagen besprochen, die Tatwaffe betrachtet, ebenso wie der Tatort-Plan und das Motiv. Und plötzlich, nach genauerer Analyse, scheinen die Beweise keineswegs mehr eindeutig. Die hitzigen Gemüter stoßen aufeinander, Reibereien, Streitigkeiten bestimmen die Diskussion. Die Atmosphäre im Raum ist zum Zerreißen gespannt. Doch nach und nach wird die Mauer der Vorurteile und schnellen Schlußfolgerungen brüchig ... Wie hoch ist das Risiko, einen Unschuldigen hinrichten zu lassen?

 

Der Film „Die Zwölf Geschworenen“ (Originaltitel „Twelve Angry Men“) wurde 1957 mit Henry Fonda in der Hauptrolle für das Kino verfilmt und erhielt eine Nominierung für einen Oscar. Damit gelang dem Autoren Reginald Rose der Durchbruch. Rose, ein gebürtiger New Yorker, arbeitete als Lagerverwalter, kaufmännischer Angestellter, Werbetexter und später als Pressemann bei Warner Brothers. 1951 begann er, für den US-Sender CBS zu schreiben. Den Weg auf die Bühne fanden „Die Zwölf Geschworenen“ nicht in den USA, sondern 1958 in Deutschland. Der Drehbuchautor, Dramaturg und Übersetzer Horst Budjuhn schrieb eine modifizierte Bühnenfassung „für ein übernationales Verständnis“, die an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt und danach an unzähligen deutschen Bühnen nachgespielt wurde. 1964 schrieb Reginald Rose eine eigene amerikanische Bühnenversion des Stücks. 1997 wurde „Twelve Angry Men“ erneut für das Fernsehen verfilmt, mit einer multikulturellen Besetzung, die im Amerika der fünfziger Jahre nicht denkbar gewesen wäre.

 

 

Besetzung
Regie Wolfgang Rumpf
Mit Katrin Martin
Gerd Melzer
Maria Jany
Matti Wien u.a.

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