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Die Weise von Liebe und Tod

Neuköllner Oper - Studiobühne

 © Matthias Heyde
bis 30. Sep 2018
Neuköllner Oper - Studiobühne
Karl-Marx-Str. 131-133
12043 Berlin

Viktor Ullmanns Cornet Rilke, neu gefasst von Malte Giesen und Fabian Gerhardt

 

Warum geht man mit Begeisterung in den Tod? Im Westen ist man entsetzt und paralysiert von denen, die sich und andere in den Tod reißen. Hat es doch „bei uns“ hier auch gegeben, und nicht zu knapp. Etwa vor 1914 und folgend. So wird ein „Leuchtturm“ der Literatur und Musik des 20. Jahrhundert merk-würdig aktuell – das Melodram „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ von Viktor Ullmann nach Rilke.

Rainer Maria Rilke hatte 1899 die Geschichte eines jungen Adeligen geschrieben, der 1664 in den Krieg gegen die Türken zieht, das raue Leben der Soldaten erfährt, mit einer geheimnisvollen Gräfin seine erste Liebesnacht erlebt und waffenlos, aber mit fliegender Fahne (der „Cornet“ ist der Fahnenträger) in die Schlacht zieht und unter 16 Säbelhieben stirbt.

Mit dem „Cornet“ landete Rilke einen Mega-Erfolg. Das spätromantische todesselige Poem trugen die deutschen Soldaten im WK I im Tornister. Rilkes Auftritt als introvertierter und hypersensibler Künstler verdeckt bis heute den politischen Parteigänger: Mussolini-Bewunderer, überzeugter Faschist und Hitler-Anhänger.

 

Viktor Ullmann, der geborene Katholik, erst von den Nazis zum Juden gemacht, schreibt zum Cornet in Theresienstadt 1944 eine Musik, die so jenseitig klingt, so jenseits aller Angst vor dem Tod, dass sie einen ebenso tröstet wie erschreckt. Es wird seine letzte Komposition, bevor die Nazis ihn nach Auschwitz deportieren und ermorden.

Ullmann vertonte nur Auszüge, unser Projekt bringt erstmals den vollständigen Text.

Die neuen, unvertonten Passagen werden von Malte Giesen in Musik gesetzt, einem der renommiertesten Komponisten seiner Generation im Bereich Elektronik / Neue Musik. Ullmanns Werk wird so zugleich „vollständig“ gezeigt und durch zeitgenössische Mittel „fortgeschrieben“, mit je einem Sänger, Schauspieler und Musiker.

 

Besetzung
Komposition Malte Giesen
Regie | Fassung Fabian Gerhardt
Musikalische Leitung | Einstudierung Markus Syperek
Kostüm- und Bühnenbild Rebekka Dornhege Reyes
Video Caio NN
Dramaturgie Bernhard Glocksin
Mit Hrund Ósk Árnadóttir und Dennis Herrmann sowie Malte Giesen (Live-Sounds) und Markus Syperek (Klavier)

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