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Der Kirschgarten

Maxim Gorki Theater

 © Thomas Aurin
bis 4. Mär 2018
Maxim Gorki Theater
Am Festungsgraben 2
10117 Berlin

Anton Tschechow

 

„Ganz Russland ist unser Garten. Die Welt ist groß und schön und reich an herrlichen Orten. Überlegen Sie, Anja, Ihr Großvater, Ihr Urgroßvater und all Ihre Vorfahren hatten Leibeigene, es waren lebende Seelen, die ihnen gehörten, und sehen Sie denn nicht die menschlichen Wesen, die von jedem Baum im Garten herunterschauen, von jedem Blatt, von jedem Stamm, hören Sie denn nicht die Stimmen ... Der Besitz dieser lebenden Seelen hat Euch alle geprägt, die, die früher hier lebten und die, die jetzt hier sind, Ihre Mutter und Ihr Onkel, und es gibt kein Bewusstsein davon, dass Ihr mit Schulden lebt, auf fremde Kosten, auf Kosten derjenigen, die Ihr nicht weiter als bis ins Vorzimmer lasst ...“

 

Es ist beschlossen: Der alte Kirschgarten soll verkauft werden. Mit vollen Händen hat die Gutsbesitzerin Ranjewskaja jahrelang ihr Geld aus dem Fenster geworfen und ganze Schuldenberge angehäuft. Das ländliche Kleinod, seit Generationen im Besitz ihrer Familie, droht an Gläubiger überzugehen, wenn nicht rasch eine Lösung für die wirtschaftliche Misere gefunden wird. Der aufstrebende Unternehmer Lopachin unterbreitet Ranjewskaja daher zur Tilgung der Hypotheken ein Sanierungskonzept, das vorsieht, den Kirschgarten zu opfern und auf dessen Grund profitable Ferienwohnungen für Sommertouristen zu errichten. Doch die Schuldner wollen davon nichts wissen. Wenn der Kirschgarten auch längst keinen Gewinn mehr abwirft und nutzlos geworden ist, so ist seine anmutige Schönheit den Familienmitgliedern doch lebendige Erinnerung an bessere Zeiten. Tatenlos verharren sie in einer Welt der rückwärtsgewandten Sehnsüchte bis der Tag der Zwangsversteigerung unmittelbar bevor steht und die alte Heimat in Gefahr gerät, für immer verloren zu gehen.

 

„Es ist kein Drama geworden, sondern eine Komödie, stellenweise sogar eine Farce“. So verteidigte Anton Tschechow seinen „Kirschgarten“ stets gegenüber all jenen, die darin einen wehmütigen Abgesang auf die alte Tradition sahen. Tatsächlich beschreibt er voll heiterer Ironie eine Gesellschaft im Übergang, in der das Altvertraute sich verflüssigt und die Umrisse einer neuen Welt sichtbar werden. Wie Clowns stolpern seine Figuren in einem absurd-komischen Endspiel zwischen Sehnsucht, Einsamkeit, sanfter Vorfreude und ihren Verlustängsten umher, ohne festen Grund unter den Füßen zu spüren.

 

Nurkan Erpulat inszeniert Tschechows Komödie als letzten Heimatabend einer verunsicherten Gesellschaft vor ihrem Ausverkauf.

 

Besetzung
Regie Nurkan Erpulat
Bühne Magda Willi
Kostüme Ulrike Gutbrod
Musik Sínem Altan / Tobias Schwencke
Dramaturgie Daniel Richter
Mit Tamer Arslan
Mareike Beykirch
Bernhard Conrad
Çetín Ipekkaya
Marleen Lohse
Ruth Reinecke
Taner Sahíntürk
Falilou Seck
Aram Tafreshian
Sesede Terzíyan
Mehmet Ylmaz

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