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Aus die Maus

GRIPS Klosterstraße

 © David Baltzer bildbuehne.de
bis 30. Okt 2017
GRIPS Klosterstraße
Klosterstraße 68
10179 Berlin

ab 8 Jahren

 

„Lösungen für alle Lebenslagen!“ titelt ein charmanter Motivationscoach und verzaubert dabei als schlaue Maus alle Kinder im Publikum. Er schüttelt lässig Kunststücke aus dem Ärmel, als seine Show plötzlich von einer besonderen Frau gestört wird: Sie ist obdachlos und hat heimlich im Theater übernachtet. Was für Herrn Maus die Bühne ist, ist für sie das sicherste Versteck. Was tun? Entweder teilt sich der Coach mit dieser unberechenbaren Person das Theater oder er verbannt sie zurück auf die Straße. Und wie reagieren die Kinder? Die obdachlose Frau bringt nicht nur die Vorstellung auf der Bühne ins Wanken, sondern vor allem die Vorstellung, die der Coach und wir bis dahin vom Leben hatten.

 

Das Produktionsteam Georg Piller (Autor und Kinderpsychologe) und Nadja Sieger (Regisseurin und Komikerin) hinterfragt in seinem ersten gemeinsamen Sück für das GRIPS Theater die gängigen Vorurteile über Obdachlosigkeit und entwickelt eine humorvolle Perspektive auf ein ernstes Thema.

Besetzung
Regie | Bühne Nadja Sieger
Kostüme Gaby Kortmann
Maskenbau Rebekka Schwark
Musikalische Komposition Bettina Koch
Dramaturgie Nora Hoch
Theaterpädagogik Anna-Sophia Fritsche
Susanne Rieber
Mit Frederic Phung
Regine Seidler

Kulturvolk Kritik

Von unserem Autor
Reinhard Wengierek

Zaubermaus im Clinch mit Schnapsdrossel

 

Kaum zu glauben, aber wahr: Im Podewil in der Klosterstraße in Mitte, der schönen Nebenspielstätte vom „Grips“, campierte unlängst klammheimlich eine Obdachlose. Der Autor und Psychotherapeut Georg Piller und die Regisseurin Nadja Sieger machten aus dieser seltsamen Begebenheit unter dem lustigen Titel „Aus die Maus“ eine kleine spielerische Fantasie für Kinder ab acht Jahren – ein Tipp für Eltern und Großeltern, mit den lieben Kleinen gelegentlich ins Podewil zu eilen.

 

Da treibt zunächst eine von Gabriele Kortmann herrlich kostümierte Hausmaus (pelzbesetzter Frack, Zylinder, Riesenohren) ihr witziges Wesen, indem sie Kunststückchen aus dem Ärmel, den Ohren, dem Zylinder zaubert (Frederic Phung). Schöner Spaß, Jubel bei den staunenden Zuschauern. Doch dann stürzt da plötzlich eine elende, kränkliche, übel riechende Obdachlose (Regine Seidler) ins bunte Kinder-Varieté. Eine fulminante Störung, in der Hand die Schnapspulle, mit der die irritierte Zaubermaus zurechtkommen muss. Der glitzernde Schein und das ruppige Elend, die Fassade und das Dahinter. Oder grob gesagt: die beiden Seiten der einen Lebensmedaille – da gibt’s für alle im Saal, auf und vor der Bühne, was zu wundern und zu begreifen und auszuhalten. Ganz im Ernst, aber auch zum Lachen trotz allem. Und zum Schluss kommt kein Happyend, aber eine Überraschung, ein herrlicher Witz, eine feine Pointe – wird hier freilich nicht verraten…

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