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Aufstieg und Fall eines Vorhangs ...

Volksbühne

Aufstieg und Fall © Christian Thiel
bis 20. Jan 2022
Volksbühne
Rosa-Luxemburg-Platz
10178 Berlin
René Pollesch

 

Aufstieg und Fall eines Vorhangs und sein Leben dazwischen

 

Sehen Sie den Aufstieg und Fall eines Vorhangs! Plus – und das ist neu – dessen Leben dazwischen.

 

Ich bin so faul. Gerade jetzt! Aber bloß nicht vergessen: „Ich ändere meine Praxis“ ist der Ausweg aus jeder Blockade.

 

M: Irgendwie gibt es ja immer diese Frustration im Theater. Das Theater der Antike entstand ja aus Kulten, die noch nicht auf¬geschrieben wurden, aus Ritua¬len, in denen noch geopfert wurde. Und ich glaube, dass es immer noch sowas gibt wie: Da tritt einer auf und letztlich sind nur alle frustriert, dass sie ihn nicht opfern können. Und das ist dann auch das, was irgendwie in allen los ist im Zuschauerraum: „Komm den opfern wir jetzt!“ Aber das passiert dann nicht. Und das ist dann so ein echtes Problem die ganze Zeit. Das ist für die echt frustrierend. Nach den Ritualen und all dem Zeug, also zu Beginn der Tragödie, war ja erstmal die Erleichterung, dass keiner mehr geopfert wird. Also da sind Schauspielerinnen auf der Bühne, die nicht mehr geop¬fert werden. Und das hinterlässt natürlich eine Riesenfrustration im Publikum. Die denken an nichts anderes, sondern bedau¬ern bis zum heutigen Tage, dass man die da oben nicht mehr op¬fern kann.

 

K: Ja, und wir brauchen ja noch ein Ende. Dieser kleine Mann hier wird am Ende geopfert, das ist dann das Ende, ok?

 

M: Ihr lacht, das gefällt Euch, oder? Einer muss ja gehasst wer¬den. Ich will nicht gehasst wer¬den, ich bin einer von euch. Deshalb hasst sie hier. Sie kann richtig gut tanzen, sie hat nen Doktor und ist Intendant. Und sie sagt jetzt, was sie von euch hält.

 

K: Versuchen wir es mit einem Kartentrick. Ich möchte, dass sie eine Karte ziehn. Ziehen Sie! ... Nein! Hören Sie, das ist mein Pass. Nein, das müssen Sie gar nicht lesen, und das ist auch nicht das Spiel. Also nochmal! Ziehen Sie eine Karte! ... Nein! Das ist mein Rezept für Dingsda. Sie vertun sich aber auch stän¬dig. Sie sollen doch eine Karte ziehn. Können Sie nicht ziehn? Ja, das war jetzt naheliegend, das war jetzt ne Steilvorlage, jetzt haben Sie den Revolver gezogen. Da kann ich auch nichts dafür, dann schießen Sie halt. Nein, wir sind hier im Zirkus, Sie müssen schon danebenschießen, sonst ist es keine Kunst. Auf die Ballons neben mir! Ja, genau. Jetzt haben Sie doch mich getroffen, Sie können aber auch gar nichts. Ja, genau, das hier ist ein Prolog. Spielen ist ja anscheinend nicht Ihr Ding, dann hören Sie halt zu!

Der Prolog sieht aus wie eine armselige Beerdigung. Ja, so be¬ginnt immer alles. Man denkt, oh wie armselig wird hier jemand betrauert und zu Grabe getragen. So sieht ein Anfang aus, mit ab¬gelatschten Girlanden. Aber nein, es ist ja wunderschön. Ich hatte nur plötzlich Ihren Geschmack im Kopf, den sie mir weggeschossen haben. Ich vergaß, Sie sind ja das Produkt einer mittelstandsori¬entierten Lokalpolitik. Ja, gut, sie haben hier mal Drogen genom¬men in den späten Neunzigern, aber jetzt sind Sie nur in diesem Viertel hängengeblieben. Das Problem an diesen Prologen ist, man meint ja nie sich selbst, man darf ja nie mit sich selbst anfan¬gen, man zielt ja immer nur auf Ihre Köpfe, die komplett spiel¬untauglich sind. Dabei ging es mir darum – wie allen anderen auch – fuckable bis fünfundneun¬zig zu sein.

René Pollesch

 

Besetzung
Regie René Pollesch
Bühne | Kostüm Leonard Neumann
Mit Kathrin Angerer
Susanne Bredehöft
Margarita Breitkreiz
Martin Wuttke

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