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32. Gesellschaftsabend

Kulturvolk Freie Volksbühne Berlin

22. Sep 2017
Kulturvolk Freie Volksbühne Berlin
Ruhrstr. 6
10709 Berlin

der Gesellschaft für Theatergeschichte

 

Liebe Mitglieder der Gesellschaft für Theatergeschichte,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

kurzfristig muss der Vortrag von Dr. Maria Sommer aus gesundheitlichen Gründen leider abgesagt werden. Wir wünschen ihr schnelle Genesung!

 

Dr. Wolfgang Jansen, Mitglied der Gesellschaft, erklärt sich bereit mit einem ebenfalls spannendem Thema „einzuspringen“:

„Neuruppin wird Theaterstadt – Vom Nachkriegsprovisorium zur Modellbühne (1945-1950)“

Zum Kriegsende 1945 fand sich der Komponist und Dirigent Herbert Walter mit seiner Familie eher zufällig in Neuruppin wieder. Sie kamen aus Berlin und waren vor den Bombardements der Alliierten geflohen. Walter hatte bereits an zahlreichen Theatern gearbeitet und zuletzt mit Erfolg ein Tourneeensemble geleitet. Die dort unerlässliche Improvisationsfähigkeit, insbesondere in den Kriegsjahren, kam ihm jetzt zu Gute. Er gründete noch im Sommer 1945 ein eigenes Theater mit fester Spielstätte und organisierte Gastspielreisen in die umliegenden Städte und Dörfer. Unterstützt wurde er dabei sowohl von den Sowjets als auch zunächst von der Stadt. Walter legte einen ausgesprochen ambitionierten Spielplan auf, der auch die jüngste Vergangenheit kritisch reflektierte.

Doch dann geriet sein privates Unternehmen in Konflikt mit den allgemeinen politischen und kulturellen Entwicklungen beim Aufbau des Sozialismus. Die Potsdamer Landesregierung stellte, in Abstimmung mit den Berliner Behörden, Pläne auf, wie alle Theater des Landes künftig inhaltlich und formal zentralistisch zu steuern seien. Im Raum stand dabei, dieses Modell bei Erfolg auf die ganze Republik zu übertragen. Die Intendanten sollten künftig nichts anderes als „Stützpunktleiter“ mehr sein. Neuruppin wurde dabei zur Modellbühne bestimmt, an der die Idee ausprobiert werden könnte.

Doch der Plan scheiterte grandios. Das Vorhaben endete im organisatorischen und finanziellen Chaos. Walter, obwohl SED-Mitglied, floh vor seinen Genossen, nach West-Berlin. Das Theater wurde wieder geschlossen. Die kurze Blütezeit, wo renommierte Theaterpersönlichkeiten wie Herbert Ihering, Fritz Erpenbeck oder Alfred Dreifuß die Aufführungen besuchten, war vorbei.

 

Der Vortrag zeichnet das Geschehen nach, skizziert die Protagonisten und schildert die Konflikte.

 

 

Mitglieder der FVB und Gäste sind herzlich willkommen.

 

 

 

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